Die Klangprobe von Siegfried Lenz, Deutsche Taschenbuch Verlag, 1993
Steinmetze unterziehen den Stein, den sie bearbeiten möchten, einer Klangprobe. Am Klang erkennt der Künstler Fehler, Hohlräume, Risse und Einsperrungen. "Man sollte sie auch für gewisse Leute einführen, die Klangprobe, dann bekäme man zeitig genug zu wissen, was in ihnen steckt, und man könnte sich vor Überraschungen sichern.", heißt es an einer Stelle.
Lenz schreibt in diesem Roman aus der Sicht eines jungen Mannes eine wunderschöne Liebesgeschichte. Der Ich-Erzähler arbeitet als Warenhausdetektiv und entdeckt eines Tages eine Frau beim Diebstahl, was er ihr aus einem spontanen Gefühl heraus duchgehen lässt. Aus der Beobachtung und der schüchternen Kontaktaufnahme entwickelt sich langsam eine zarte Beziehung zwischen ihm und der jungen Frau. Diese, Lone, kümmert sich rührend um ihren verwaisten Neffen Fritz und sucht gerade eine Wohnung. Was liegt da ferner, als beide in das leere Zimmer zu Hause bei der Familie, das heißt bei seinen Eltern und seiner Schwester, einziehen zu lassen. Hier scheint der Einzug allen zu gefallen. Vor allem weicht Lone mit ihrer Dirketheit den hartherzigen Vater auf, der - passend - als Steinmetz arbeitet. Fritz vor allem gefallen die vielen Steine im Hof. Darüber möchte er alles wissen. Während aus der Sicht des Alten eher Probleme mit dem Beruf des Steinmetzes verbunden sieht, kann der Junge sich ihn schon als Traumberuf vorstellen.
Diese heitere und melancholische Liebes- und Familiengeschichte endet nicht glücklich, sondern nachdenklich, wie das bei Lenz oft der Fall ist. Sie hinterläßt beim Leser aber ein Gefühl der Zufriedenheit, weil er Menschen und Schicksale beschreibt, wie sie wirklich sind.
Donnerstag, 10. September 2009
Mittwoch, 9. September 2009
Du fehlst von Joyce Carol Oates
S.Fischer Verlag 2008
In diesem Roman geht es um die Entwicklung einer jungen Frau nach dem Tod (durch Mord) ihrer Mutter. Eindringlich beschreibt die Autorin als Ich-Erzählerin die Gefühlslage und die Handlungen der Protagonistin Nikki in ihrer Trauersituation im Laufe eines Jahres.
Nikki orientiert sich langsam neu, ändert kaum merklich ihr Verhalten und setzt sich allmählich auch mit der Vergangenheit ihrer Mutter auseinander. Das alles stellt Oates gekonnt durch etliche Dialoge, realistisch genaue Situationsbeschreibungen und Gedankenspiele dar. Beim Lesen lebt man mit dieser Tochter mit, nie wird es langweilig. Im Gegenteil, zwischendurch legt die Autorin andeutungsweise eine falsche Spur, nämlich dass ein ganz anderer der Mörder war, ein alter Bekannter, statt der sofort von der Polizei gefasste Drogensüchtige Mann.
Oates kennt sich in Trauerarbeit aus, denn sie beschreibt glaubwürdig alle Phasen davon: Schock, Traurigkeit, Wut, Angst und Aggression bis hin zur Bewältigung durch sich Abfinden mit dem Schicksal. Man fühlt als Leser mit, wird aber nicht in der Stimmung heruntergezogen. Sondern das Buch ist von Anfang bis Ende spannend geschrieben. Oates vermeidet Kitsch und Setimentalität durch ihre einfache aber genaue Sprache.
Ein rundum gelungenes Buch.
S.Fischer Verlag 2008
In diesem Roman geht es um die Entwicklung einer jungen Frau nach dem Tod (durch Mord) ihrer Mutter. Eindringlich beschreibt die Autorin als Ich-Erzählerin die Gefühlslage und die Handlungen der Protagonistin Nikki in ihrer Trauersituation im Laufe eines Jahres.
Nikki orientiert sich langsam neu, ändert kaum merklich ihr Verhalten und setzt sich allmählich auch mit der Vergangenheit ihrer Mutter auseinander. Das alles stellt Oates gekonnt durch etliche Dialoge, realistisch genaue Situationsbeschreibungen und Gedankenspiele dar. Beim Lesen lebt man mit dieser Tochter mit, nie wird es langweilig. Im Gegenteil, zwischendurch legt die Autorin andeutungsweise eine falsche Spur, nämlich dass ein ganz anderer der Mörder war, ein alter Bekannter, statt der sofort von der Polizei gefasste Drogensüchtige Mann.
Oates kennt sich in Trauerarbeit aus, denn sie beschreibt glaubwürdig alle Phasen davon: Schock, Traurigkeit, Wut, Angst und Aggression bis hin zur Bewältigung durch sich Abfinden mit dem Schicksal. Man fühlt als Leser mit, wird aber nicht in der Stimmung heruntergezogen. Sondern das Buch ist von Anfang bis Ende spannend geschrieben. Oates vermeidet Kitsch und Setimentalität durch ihre einfache aber genaue Sprache.
Ein rundum gelungenes Buch.
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Über mich
- MBA
- Lesen ist mein großes Hobby. Schreiben macht mir auch Spaß. Rezensionen in Zeitschriften sind oft so abgehoben, dass ich hier versuche, auf ganz schlichte Art meinen Eindruck von Büchern wiederzugeben und zwar von der Geschichte, von der Sprache und der Idee des jeweiligen Buches. Viel Spaß beim Lesen!