Mittwoch, 9. September 2009

Du fehlst von Joyce Carol Oates
S.Fischer Verlag 2008

In diesem Roman geht es um die Entwicklung einer jungen Frau nach dem Tod (durch Mord) ihrer Mutter. Eindringlich beschreibt die Autorin als Ich-Erzählerin die Gefühlslage und die Handlungen der Protagonistin Nikki in ihrer Trauersituation im Laufe eines Jahres.

Nikki orientiert sich langsam neu, ändert kaum merklich ihr Verhalten und setzt sich allmählich auch mit der Vergangenheit ihrer Mutter auseinander. Das alles stellt Oates gekonnt durch etliche Dialoge, realistisch genaue Situationsbeschreibungen und Gedankenspiele dar. Beim Lesen lebt man mit dieser Tochter mit, nie wird es langweilig. Im Gegenteil, zwischendurch legt die Autorin andeutungsweise eine falsche Spur, nämlich dass ein ganz anderer der Mörder war, ein alter Bekannter, statt der sofort von der Polizei gefasste Drogensüchtige Mann.

Oates kennt sich in Trauerarbeit aus, denn sie beschreibt glaubwürdig alle Phasen davon: Schock, Traurigkeit, Wut, Angst und Aggression bis hin zur Bewältigung durch sich Abfinden mit dem Schicksal. Man fühlt als Leser mit, wird aber nicht in der Stimmung heruntergezogen. Sondern das Buch ist von Anfang bis Ende spannend geschrieben. Oates vermeidet Kitsch und Setimentalität durch ihre einfache aber genaue Sprache.

Ein rundum gelungenes Buch.

Über mich

Lesen ist mein großes Hobby. Schreiben macht mir auch Spaß. Rezensionen in Zeitschriften sind oft so abgehoben, dass ich hier versuche, auf ganz schlichte Art meinen Eindruck von Büchern wiederzugeben und zwar von der Geschichte, von der Sprache und der Idee des jeweiligen Buches. Viel Spaß beim Lesen!