Dienstag, 15. September 2009

Verschwende Deine Jugend von Jürgen Teipel, Suhrkamp Taschenbuch, 2001

Bei diesem außergewöhnlichen Buch handelt es sich um einen Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave.
Das Buch ist deswegen besonders, weil es nur aus vielen einzelnen Textpassagen besteht und diese sind alle jeweils Antworten, also Zitate, auf Interviewfragen. Man liest also gesprochene Antworten auf Fragen, die man als Leser nicht kennt. Der Autor hat diese unendlich vielen Geschichten nach Themen gruppiert wie etwa Hippies, Deutscher Herbst, Krawall 2000 oder Die Befreiung des schlechten Geschmacks und grundsätzlich eine Chronologie des Geschichte des Punks eingehalten, die Kapitel nach wichtigen Zeitphasen geordnet.
Wir lesen den Roman einer ganzen Generation und zwar so vielstimmig und multiperspektivisch, dass man sich fragt, wie es der Autor geschafft hat, die Zitate so logisch und spannend zusammenzustellen.
Insider der Musik- und Kunstszene aus dem Punk kommen zu Wort und bewirken so die unmittelbare Stimmung, als Leser dabei zu sein. Die Sprecher sind am Ende des Buches aufgeführt und kurz charakterisiert. Es wird sogar beschrieben, was aus ihnen geworden ist. Ebenso findet man im Anhang eine Zeittafel.
Wer sich in der Szene auskennt, findet alle wichtigen Bands der damaligen Zeit wieder wie etwa Fehlfarben, DAF, Palais Schaumburg oder Popmusiker wie Campino und Blixa Bargeld. Wer sich nicht so gut auskennt, findet Berühmtheiten wieder, die noch heute öffentlich aktiv sind wie etwa Nina Hagen oder Ben Becker.
Als Leser bekommt man die Stimmung der Punk-Szene hautnah mit und die innere Logik für etliche ihrer Aktionen. Das schafft der Autor sicherlich durch seine interessierte und tolerante Haltung gegenüber seinen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern. Teipel hat viel Geduld bewiesen, indem er drei Jahre lang mit fast 100 Interviewpartnerinnen und -partnern gesprochen, die Gespräche ausgewertet und zu einem zusammenhängenden Text zusammengefügt hat.
Fotos in schwarz-weiß runden das Ganze ab und machen das Buch zu einem Genuss.
Ich kann das Buch sehr empfehlen.

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Über mich

Lesen ist mein großes Hobby. Schreiben macht mir auch Spaß. Rezensionen in Zeitschriften sind oft so abgehoben, dass ich hier versuche, auf ganz schlichte Art meinen Eindruck von Büchern wiederzugeben und zwar von der Geschichte, von der Sprache und der Idee des jeweiligen Buches. Viel Spaß beim Lesen!